Erfahrungsbericht über Nayma (Ex Erzsu) und Yoda aus Ungarn

.01.2019

Für meinen Mann und mich war immer klar, dass wir eines Tages einen Hund adoptieren wollen. Persönlich fand ich, dass dies erst in ein paar Jahren der Fall sein sollte. Dennoch begann ich im Herbst 2017 ein wenig zu recherchieren. Dabei stiess ich auf die Seite von AH, welche mir einen seriösen Eindruck machte. Ich durchstöberte also die Seiten und entdeckte Hörbi. Der kleine drollige Kerl hatte es uns allen gleich angetan  Somit war klar, es ist doch jetzt an der Zeit für 4-Beinigen Familienzuwachs. Also füllten wir das Formular aus. Ich war (positiv) erstaunt, wie viele Fragen wir bereits im Voraus zu beantworten hatten. Nach erfolgter Vorkontrolle warteten wir gespannt und hofften auf einen positiven Bescheid.

Als dieser kam, löste er ein Wechselbad der Gefühle aus. Darin stand nämlich: „Ich habe den Vorkontrollen –Bericht erhalten und möchte Ihnen mitteilen, dass wir sehr gerne einen Hund an Sie vermitteln wir sind uns einig, dass ein Vierbeiner bei Ihnen ein tolles Leben verbringen wird. Mit der Pflegestelle von Hörbi habe ich Rücksprache gehalten, er ist leider nicht geeignet für eine Familie.“
Wir freuten uns riesig, eine Hund von AH adoptieren zu dürfen, doch konnte ich eine gewisse Enttäuschung, dass es mit Hörbi nicht klappt, nicht leugnen. Andererseits bestätigte mich dies in der Seriosität von AH. Es zeigte klar, dass das Wohl und die Bedürfnisse der Tiere für AH an absolut erster Stelle stehen.

Wir vereinbarten Termine, um die beiden uns vorgeschlagenen Hunde kennen zu lernen. Als wir Nayma dann trafen, war der Fall klar. Mein Mann verliebte sich auf den ersten Blick in sie. Und auch wenn die kleine Dame sehr zurückhaltend war, spürte ich, dass sie die Richte für uns war. Eine Woche später – noch gerade vor Weihnachten – konnte Nayma bei uns einziehen.

Aller Anfang ist Schwer…

Der Weg mit unserem kleinen Wirbelwind war – besonders zu Anfang – nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, sondern ein ganzes Stück Arbeit, Geduld, Einfühlungs- und Durchhaltevermögen und ein „Dranbleiben“.
Beim Kennenlern-Besuch hatte ich einen Pulli von mir dort gelassen. So konnte sich Nayma bereits ein wenig an unseren/meinen Geruch gewöhnen. Und bei uns angekommen, hatte sie etwas Vertrautes. In der Wohnung schien sich Nayma auch schnell wohl zu fühlen. Draussen war dies jedoch eine ganz andere Geschichte. Sie schien von fast allem, was ihr begegnete, verunsichert zu werden. In den meisten Fällen reagierte sie darauf mit „Angriff“, sprich: sie bellte alles an und versuchte es anzuspringen. Sei dies ein Kickboard, ein Jogger, ein Kinderwagen, Einkaufstrolly, Fahrrad, spielende Kinder… Dies war für mich anfangs ziemlich anstrengend und ich merkte, wie ich selbst unter ständiger Anspannung zu stehen schien, wenn wir gemeinsam unterwegs waren. Ein häufiger Gedanke war „hoffentlich begegnen wir nichts fahrbarem“ und ich fühlte mich gestresst, ständig alles im Überblick haben zu müssen. Nach ein paar Wochen gewöhnte ich mich an diese „Rundumsicht“ und konnte so etwas entspannen, was Nayma sichtlich half. Dennoch holten wir uns Unterstützung von einer Hundetrainerin. Sie gab uns ein paar wertvolle Tipps. Das Wichtigste für mich war jedoch zu hören, dass wir auf dem richtigen Weg waren, dass wir uns ruhig Zeit lassen dürfen und dass wir für die damals 3 oder 4 Monate, in denen Nayma bei uns war, auch schon einiges erreicht haben. Dies gab mir das nötige Selbstvertrauen und beruhigte mich. Und es war bemerkenswert: sobald ich für mich die nötige Sicherheit erlangt hatte, machte auch Nayma schnell Fortschritte. Allerdings war und ist genauso schnell erkennbar, wenn ich mit dem Training etwas nachlässig bin ;-)

Was, wenn wir das nicht in den Griff bekommen…

Die grösste Herausforderung zeigte sich jedoch auf einer anderen Ebene gleich zu beginn. Nayma war gerade 2 Wochen bei uns und begann wohl langsam, sich an uns zu gewöhnen, als unsere Tochter Vero eine Darmerkrankung hatte. Sie verbrachte die meiste Zeit in ihrem Zimmer und ihr Körpergeruch war verändert. Es schien, als könne Nayma sie nicht zuordnen. Und so bellte Nayma Vero jedes Mal an und umkreiste sie, wenn diese ihr Zimmer verliess. Dies war für uns alle, besonders aber für Vero, sehr belastend. Vero fühlte sich durch Naymas Verhalten stark verunsichert, was sich wiederum auf Nayma übertrug. Wir mussten uns eingestehen, dass – sollten wir dies nicht in den Griff bekommen – wir Nayma schweren Herzens zurückgeben müssten. Bis dahin wollten wir jedoch nichts unversucht lassen. Sobald es Vero gesundheitlich wieder besser ging, entschieden wir, es zuerst selbst zu versuchen. Sollten wir alleine nicht weiterkommen, wäre ein Hundetrainier gefragt. Unser Plan bestand darin, Vero für Nayma besonders attraktiv zu machen. Also hatte Vero besonders schmackhafte Leckerlis, welche sie Nayma jedes Mal gab, wenn sie das Zimmer verliess oder die Wohnung betrat. Weiter hatte Vero auch noch ein tolles Spielzeug, mit welchem nur die beiden spielten. Und siehe da, es zeigte Wirkung. Sehr schnell freute sich Nayma, wenn Vero in der Nähe war  Und Vero wurde auch zusehends sicherer im Umgang mit Nayma. Inzwischen haben die beiden eine tolle Bindung.


Einen Gefährten für Nayma…

Nachdem wir die ersten Hürden überstanden hatten, hatte ich bald mal das Gefühl, dass es schön für Nayma wäre, einen Gefährten zu haben. Nach einem halben Jahr nahmen wir zum Testen einen zweiten Hund übers Wochenende (von Privat). Obwohl die beiden sich super verstanden mussten wir feststellen, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war. Weder Nayma noch wir waren soweit.
In der Zwischenzeit war ich immer mal wieder auf der Seite von AH. Dort hatte ich schon seit einiger Zeit einen kleinen Racker entdeckt, welcher es mir angetan hatte. Nämlich der kleine Yoda. Egal wie oft ich auf der Seite war, er war immer noch zu vermitteln. Dies hätte ich nicht erwartet, da er ja als Welpe ins Tierheim kam. Im November 2018 kam er dann auf einen Pflegeplatz in die Schweiz. Zu Ramona, wo auch Nayma schon war. Konnte dies ein Zufall sein? Ich glaube, es war Schicksal 
Nachdem das erste Kennenlernen ohne Anzeichen von Antipathie erfolgt war, kam Yoda mit Ramona bei uns zu Hause vorbei. Ich war erstaunt, wie viel Raum Nayma ihm liess. Dies bekräftigte uns darin, dass die beiden ein tolles Gespann werden können.
Und so kam Yoda vor einer Woche in unsere Familie. Da auch Yoda als Angshund galt, hatte ich mich darauf eingestellt, dass Anfangs wieder alles angebellt werden würde. Zurück auf Start, sozusagen. Doch weit gefehlt. Radfahrer, Jogger, Kinder, Kickboards, Katzen -> interessieren ihn nicht. Ebenfalls bin ich erstaunt, wie schnell er sich eingelebt hat. Nayma hatte die ersten Tage Mühe, ihm Raum zu geben, bzw. von „ihrem“ Raum was abzugeben. Sie hat sich aber schnell damit abgefunden. Und Yoda kam jeden Tag etwas mehr auf uns zu. Bereits am 3. Tag hat er aktiv Streicheleinheiten eingefordert. Nach 5 Tagen haben die beiden erstmals gekuschelt. Und inzwischen bewegt sich Yoda in der Wohnung als wäre er schon immer da gewesen. Und er folgt mir auf Schritt und Tritt. Da kann sich Nayma noch was abgucken

Sébi gegenüber (unser Sohn) ist er noch etwas unsicher, aber das wird sich in den kommenden Wochen sicher auch noch legen. Ich denke, wenn man einen Tierschutzhund adoptiert, muss man sich bewusst sein, dass die Fellnasen alle bereits ihr „Rucksäckchen“ mitbringen. Dies bedeutet Verantwortung, und Verantwortung bedeutet auch Arbeit. Ich möchte an dieser Stelle alle ermutigen, in schwierigen Zeiten durchzuhalten. Und sich bei Bedarf auch professionelle Hilfe zu holen. Dies kann zwar nervenaufreibend und mühsam sein, aber es lohnt sich allemal!

Schlussendlich gibt es nur eins zu sagen:
Wir sind mega Happy mit unseren beiden Quatschköpfen  und ein riesen Dankeschön an AH, dass wir gleich zwei so tolle „Rohdiamanten“ bei uns haben dürfen!
 

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