Erfahrungsbericht von Bino aus Ungarn
Publiziert: Dienstag, 20.12.2022
Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt (Sprichwort)
oder Ende gut, (fast) alles gut oder Wie aus Verliebtheit Liebe wird
Es war im März 2021, als ich mich verliebte – verliebte in Bino, den schwarzen Strubelhund, auf der animal-happyend-Homepage. Und als ich las, dass Bino ein feiner, aufgestellter, fröhlicher Bursche sei, war der Entschluss gefasst: Ich möchte Bino ein Zuhause geben. Wie war ich glücklich, dass er mir zugesprochen wurde.
Am 19. Mai 2021 durfte ich Bino in Wädenswil abholen. Und schon war alles anders als gedacht!
Kaum aus dem Transporter ausgestiegen, benahm sich Bino wie ein Verrückter. Er zog an der Leine und riss mich nach allen Seiten, er war kaum zu halten. Zu Hause raste er wie eine wilde Hummel durch die Wohnung, sprang über und auf Möbel. Damit er zur Ruhe kam, blieb nichts anderes übrig, als ihn anzubinden. Nach zwei Tagen hatte er sich beruhigt. Nur die Spaziergänge blieben über viele Monate ein Albtraum. Bei Begegnungen mit anderen Hunden, mit Joggern und Fahrzeugen jeglicher Art, rastete Bino völlig aus, er tobte, bellte, schrie…. , war wie von Sinnen. In diesem Zustand konnte man ihn auch nicht anfassen, dann biss er zu. Vorwurfsvolle Blicke und Bemerkungen, Ratschläge aller Art anderer Hundehalter machten die Sache nicht leichter!
Zuhause war Bino der liebste Hund, er liess sich streicheln, am Bauch kraulen, draussen wurde er zur wilden Bestie. Beim Spazieren an der langen Leine drehte er öfters plötzlich um, raste auf mich zu und schnappte mich in Unter- und Oberschenkel. Er war so wütend, dass er nicht frei sein konnte! Immer wenn Bino etwas nicht passte, biss er zu! Er war so unglaublich wild, dass ich
ihn keine Sekunde aus den Augen lassen konnte. Und als ich doch einmal einen Augenblick unaufmerksam war, wickelte er die Schleppleine um mein Bein und zog. Ergebnis: Schwerer Armbruch, Spitalaufenthalt….. Ich muss gestehen, ich war manchmal mit meiner Kraft am Ende.
Trotz allem, ich hatte Bino lieb gewonnen, aufzugeben, war keine Option.
Es dauerte fast ein Jahr, bis Bino eine feste Beziehung zu mir aufgebaut hatte. Mir schien, dass er noch nie eine Bindung zu einem Menschen hatte eingehen können. Heute hängt Bino sehr an mir, er macht auch einen glücklichen Eindruck. Er ist ein lebhafter Hund, jedoch nicht mehr so wild. Er wirkt fröhlich, ist sehr neugierig, unternehmungslustig, überaus intelligent, sensibel, aber auch eigensinnig und manchmal frech. Bino ist jetzt fünfeinhalb Jahre alt, benimmt sich aber oft wie ein Welpe. Ich vermute, dass er nie wirklich Welpe sein konnte. Er kennt die Grundkommandos und kann nun gut an der Leine laufen. Das Spielen musste Bino erst lernen. Jetzt vergnügt er sich gern mit dem Ball, den Quietschtieren, dem Schnüffelteppich oder knobelt an den Intelligenz-Spielen. Bach, Fluss und See kannte Bino nicht. Wellen oder Holzstücke im Wasser betrachtete er als Feinde, sie wurden entsprechend verbellt. Mittlerweile fasziniert ihn Wasser sehr und er liebt es, darin zu plantschen.
Bemerkenswert und nicht selbstverständlich ist, dass Bino von Anfang an gern Auto fuhr, sich bei Restaurantbesuchen, an Sitzungen und Kursen tadellos benahm. Ich kann ihn problemlos überallhin mitnehmen. Er läuft über Brücken, steigt in Seilbahnen und fährt mit dem Lift. Auch in den Ferien waren wir schon zusammen. Das Alleinbleiben war ebenfalls nie ein Problem, allerdings kommt es nur selten vor.
Da Bino ein ausgesprochener Jäger ist, kann ich ihn nur auf grossen, übersichtlichen Wiesen und Feldern frei lassen. Das aber geniesst er sehr. Vor allem das Herumrennen mit Hunden, die er kennt, findet er herrlich. Er ist extrem schnell und agil. Er besucht auch den Hundehort, damit er regelmässig mit anderen Hunden zusammen sein kann. Der familiäre Hort ist sein zweites Zuhause, wo er sich sehr wohlfühlt.
Natürlich besuchte ich mit Bino die Hundeschule und auch Privatstunden. Es ist aber gar nicht einfach, eine passende Hundeschule zu finden. Entweder wird mit Druck gearbeitet oder der Hund auf Leckerlis konditioniert. Mittlerweile bin ich in der dritten Hundeschule, die sehr an der Beziehung Hund – Halter und an der Führung arbeitet. Hier haben Bino und ich grosse Fortschritte erzielt. (www.pfotenkompass.ch) Ich habe nämlich anfangs grosse Fehler gemacht. Auf einen Rat hin habe ich Bino oft an der langen Leine laufen lassen. Das führte dazu, dass er die Führung übernahm. Dass der Halter die Führung innehat, ist das A und O der Hundeerziehung.
Ein grosses Thema war auch die Gesundheit. Kurz nach seiner Ankunft brachen bei ihm Giardien aus. Mit Medikamenten, Moro-Suppe und strikter Hygiene brachten wir sie zum Verschwinden. Nur der Durchfall blieb. Ein Untersuch in der Tierklinik ergab, dass Bino einen empfindlichen Darm habe… Ein spezielles Probiotikum brachte Ordnung in den Darm, der Durchfall verschwand.
Unglücklicherweise gab ich ihm auf Empfehlung einer Praxisassistentin prophylaktisch eine Wurmtablette. Dieses Nervengift löste bei Bino eine IBD (Inflammatory Bowel Disease) aus, eine schlimme Darmentzündung, die chronisch ist. Bino hatte Durchfall, verlor an Gewicht. Cortison und Spezialfutter des Tierarztes halfen nicht. Man sagte mir, ich müsste mit dem Schlimmsten rechnen!! Unzählige Stunden recherchierte ich im Internet, bis ich auf ein Futter stiess, das für IBD- und darmempfindliche Hunde entwickelt wurde. (www.lupovet.ch) Seit ich Bino
ausschliesslich dieses Futter gebe, dazu Heilmoor und ein Probiotikum, geht es ihm sehr gut.
Für mich als Ersthundehalterin mit einem Hund, bei dem Erfahrung von Vorteil gewesen wäre, war es ein anstrengender Weg, den wir gegangen sind, der viel Energie, Verzicht, Zeit, Geduld und Geld kostete. Wenn heute immer wieder Leute zu mir sagen: «Was für ein herziger Hund!» oder «Man sieht ihm an, dass er zufrieden ist!» dann freue ich mich und weiss, der grosse Einsatz lohnt sich.
Wir werden den Weg weitergehen, denn Bino fällt öfters in alte Verhaltensmuster zurück. Geduld und Üben, Üben……Verliebt bin ich nicht mehr, jedoch liebe ich meinen Strubel-Wirbelwind sehr!
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