Erfahrungsbericht von Cop neu Ava aus Ungarn
Publiziert: Montag, 19.12.2022
Nach dem ich meinen ersten Hund Tyson (ein ausgesetzter Welpe, den man meiner Schwester Ornella einfach über das Gartentor in den Garten schmiss) nach über 13 Jahren schweren Herzens habe gehen lassen müssen, war für mich schnell klar, dass ich einem Hund aus dem Tierschutz ein «FürImmerZuhause» geben möchte. Es sollte ein grösserer und älterer Hund werden, da die es in der Vermittlung ja generell schon schwerer haben. Mit diesen «Vorgaben» habe ich dann meine Schwester Ornella gebeten, mir Hunde aus dem Menhely (Tierheim) vorzuschlagen, welche es in der Vermittlung vielleicht auf Grund von Alter, Grösse oder Rasse nicht so einfach haben. Umgehend kamen Vorschläge von Ornella und meine Wahl fiel auf die wunderschöne 7jährige Hündin Cop, welche schon über 3 Jahr im Tierheim sass, in dieser Zeit noch nie eine Anfrage hatte und schon länger unter der Rubrik «Die Vergessenen» aufgeführt war.
Am 4. Oktober 2021 war es so weit und ich durfte Cop im Tierheim in Kecskemét kennenlernen. Bei unserem ersten Treffen hat Cop versucht sich von ihrer besten Seite zu zeigen, was ihr auch total gelungen ist. Ich habe mich sofort in diese schöne, charmante und lustige Hündin verliebt. Sie sprühte trotz ihrer traurigen Vergangenheit und dem lange Tierheimaufenthalt vor lauter Lebensfreude. Damit war klar, dass Cop welche nun den Rufnamen Ava hat, mit mir in die Schweiz fahren durfte. Obwohl sie das Autofahren nicht kannte, verlief die lange Fahrt von Ungarn in die Schweiz ohne Probleme. Zu Hause angekommen ist sie wie selbstverständlich die Treppen hoch und in die Wohnung reingelaufen, wie wenn sie nie etwas anderes gemacht hätte. Am Anfang ist sie mir Schritt für Schritt überall gefolgt und draussen hatte sie keine Zeit zu schnüffeln, sie wollte nur laufen und hat dementsprechend an der Leine gezogen. Ich hatte bei ihr immer das Gefühl, dass sie Angst hatte irgendetwas zu verpassen. Ava ist sehr selbstbewusst und hat einen starken Charakter, ist aber trotzdem super lieb. Sie ist sehr clever und auch wenn sie sich (noch) nicht immer so lange konzentrieren kann, hat sie sehr schnell gelernt wie das Leben hier funktioniert. Inzwischen läuft sie sehr gut an der Leine, der Freilauf klappt prima und sie kann nun auch gemütlich auf den Spaziergängen rumschnüffeln. Egal ob in der Hundeschule, im Büro, beim Spazieren oder auf Wanderungen Ava ist immer dabei und bemüht sich alles richtig zu machen. Zu Hause und im Büro verhält sie sich ruhig, ausser wenn sie Leute sieht die sie liebt, dann kann sie sehr ungestüm und stürmisch werden, weil sie einfach nicht weiss wohin mit all ihrer Freude. Auch das allein bleiben klappt, trotz ihrer Vergangenheit (sie wurde allein auf einem Hof zurückgelassen) mittlerweile super, egal ob im Büro, zu Hause oder auch mal im Auto.
Der Name Cop, welcher sie im Tierheim bekommen hatte, ist auch jetzt noch Programm. Ava ist und bleibt eine kleine Polizistin und beobachtet immer alles um sich herum ganz genau. Sie hat auch immer das Gefühl für Ordnung sorgen zu müssen, wenn es irgendwo Ärger gibt. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen liebt sie andere Hunde egal ob Mini-Yorkie oder Dogge, jedoch lässt sie sich nicht unterbuttern und mag es gar nicht von anderen Hunden angekläfft zu werden. Sie spielt unglaublich gerne mit anderen Hunden, je nach Rasse und Grösse kann das auch mit ziemlich viel Körpereinsatz sein. Sie hat das Gespür, wie sie mit welchem Hund spielen kann, obwohl sie all die Jahre, ausser mit Costa bis zu seiner Vermittlung, allein im Kennel sass und den Ruf als unverträglich hatte. Sie hat viel Power ist aber überhaupt keine Rennmaschine, sie mag es wenn wir in die Berge gehen, Wasser liebt sie über alles und sie freut sich über jeden Spaziergang oder Ausflug - Hauptsache sie kann dabei sein.
Dank dem Medical Training, welches ich mit meiner Bürokollegin angefangen habe, konnten wir schon nach kurzer Zeit bei Ava ohne Stress und Zwang Blut entnehmen oder ich kann ihr allein Augentropfen geben, in dem sie ruhig vor mir sitzt. Auch solche Sachen kann man einem älteren Hund noch beibringen, wenn man etwas Zeit und Geduld investiert – was man ja eigentlich sowieso bei jedem Hund, ob Welpe oder schon älter mitbringen muss. Man wächst jeden Tag mehr mit dem Hund zu einem Team zusammen – ein ganzes Hundeleben lang. Sachen, die am Anfang unmöglich schienen, funktionieren heute wie selbstverständlich.
Kurz gesagt, Ava ist für mich eine absolute Traumhündin und ich hab meine Entscheidung einem der «vergessenen Hunde» ein Zuhause zu geben noch keine Sekunde bereut. Wir machen gemeinsam Fortschritte, hin und wieder auch mal kleine Rückschritte, wie das eben so ist im Leben. Man darf nie vergessen, dass WIR uns für diesen Hund entschieden haben und nicht umgekehrt, und die Hunde müssen uns deswegen auch nicht dankbar sein, obwohl sie es natürlich sind. Man muss ihnen einfach genügend Zeit geben, um anzukommen und verstehen zu lernen wie das Leben mit uns funktioniert. Diese Zeit (Tage, Wochen, Monate) ist von Hund zu Hund verschieden. Wenn man aber diese Geduld hat, dann geben sie einem so viel mehr zurück – einfach unbezahlbar!
Vor allem möchte ich meiner Schwester Ornella für ihren unermüdlichen Kampf für die Tierheimtiere danken! Sie setzt sich 365 Tage im Jahr für die Hunde und Katzen ein. Ganz nach dem Motto:
«Man kann die Vergangenheit eines Hundes nicht ändern, aber seine Zukunft»
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